DeepNudes und echte Nacktbilder
KI‑generierte DeepNudes sind aktuell stark im Fokus der öffentlichen Debatte. Immer häufiger stellen Jugendliche und Eltern jedoch eine andere, ebenso wichtige Frage:
„Und was ist mit echten Nacktbildern? Dürfen die einfach ohne Einwilligung verbreitet werden?“
Die klare Antwort lautet: Nein.
Persönliche Aufnahmen dürfen grundsätzlich nicht ohne Einwilligung der abgebildeten Person vervielfältigt oder weitergeleitet werden. Das gilt unabhängig davon, ob die Bilder freiwillig entstanden sind oder nicht. Deine Bilder gehören nur dir.
Gerade im digitalen Raum – etwa auf Social Media, in Gaming‑Chats oder auf Dating‑Plattformen – wird diese Grenze jedoch häufig überschritten. Eine besonders problematische Erscheinungsform ist dabei die sogenannte Sextortion.
Was ist Sextortion?
Sextortion ist eine Form der (sexuellen) Erpressung, bei der Täterinnen und Täter intime Bilder oder Videos gegen die betroffene Person verwenden. Typisch ist, dass mit der Veröffentlichung dieser Aufnahmen gedroht wird.
Die Erpressung läuft meist online ab, zum Beispiel über:
- soziale Netzwerke,
- Messenger‑Dienste,
- Gaming‑Chats oder
- Dating‑Plattformen.
Die Tatpersonen fordern häufig Geld, weitere intime Aufnahmen oder andere Leistungen. Wichtig: Täterinnen können fremde Personen aus dem Internet sein, aber auch (Ex‑) Partnerinnen oder Bekannte.
Warum sind Kinder und Jugendliche besonders gefährdet?
Sextortion betrifft nicht nur Erwachsene. Kinder und Jugendliche sind besonders häufig betroffen.
Studien zeigen:
- Besonders alarmierend sind die Zahlen bei jungen Menschen:
31 % der 11‑ bis 17‑Jährigen geben 2025 an, bereits eine Sexting‑Nachricht erhalten zu haben – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2024 (25 %) und 2023 (21 %).
- 83 % dieser Nachrichten wurden unaufgefordert verschickt. Mädchen sind von dieser Form sexueller Belästigung häufiger betroffen als Jungen.
- Zudem berichtet ein Viertel der Jugendlichen, die bereits gesextet haben, dass sie sich dabei zu Handlungen haben überreden lassen, die sie eigentlich nicht wollten.
(Befragung „Erfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit Sexting und Pornos“ 2025, Landesanstalt für Medien NRW)
Hinzu kommt: Jugendliche haben teilweise noch kein ausgeprägtes Bewusstsein dafür, wie sensibel intime Aufnahmen sind. Was im Freundeskreis als „Scherz“ oder „Mutprobe“ gemeint ist, kann für Betroffene ernste Folgen haben und strafbar sein.
Besondere rechtliche Regeln bei Minderjährigen
Bei Aufnahmen von Kindern und Jugendlichen gelten besonders strenge gesetzliche Regelungen:
- Besitz, Erwerb und Verbreitung von kinder‑ und jugendpornografischen Inhalten sind strafbar.
- Das gilt auch dann, wenn die Bilder einvernehmlich entstanden sind oder von Gleichaltrigen weitergegeben werden.
Schon das Weiterleiten eines Bildes kann rechtliche Konsequenzen haben und das Leben der Betroffenen nachhaltig belasten.
Wie kann man sich vor Sextortion schützen?
Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber es lassen sich Risiken deutlich reduzieren.
Safer Sexting
Wer intime Bilder verschickt, sollte sich gut informieren und bewusst handeln. Hilfreiche Informationen und Tipps gibt es zum Beispiel bei Safer Sexting | Mein Ding! Dein Ding! Unser Ding! Was’n Ding!:
- Weniger Körper, weniger Risiko: Wenn ihr weniger von euch zeigt, bringt ihr euch auch weniger in Gefahr. Auch Bilder, auf denen nicht alle Körperteile abgebildet sind, können erotisch sein.
- Kein Gesicht zeigen: Fotografiert euch so oder bearbeitet eure Bilder so, dass man euer Gesicht oder Merkmale wie ein Muttermal nicht erkennen kann. Sollte das Bild ohne dein Einverständnis weiterverbreitet werden, ist das zwar trotzdem nicht schön, aber man wird euch nicht erkennen können.
- Lieber zeigen statt senden: Ja, wir wissen, dass das dann kein Sexting per Definition mehr ist, aber wenn ihr die Bilder auf dem Handy behaltet und sie bestimmten Leuten zeigt, behaltet ihr die Kontrolle über die Bilder und die Gefahr minimiert sich.
- Sucht euch genau aus, wem ihr die Bilder schicken wollt: Vertrauen ist bei Sexting das A und O. Sucht jemanden aus, bei dem ihr euch denkt, dass diese Person behutsam mit euren Bildern umgeht. Macht auch klar, dass sie nicht an andere geraten sollen.
- Löscht alte Bilder: Wenn ihr eure Fotos mit der Empfängerin oder dem Empfänger zusammen auf beiden Smartphones löscht, geht ihr auf Nummer sicher, dass das Foto nicht an Dritte gelangt.
Wenn ihr diese Tipps beachtet, seid ihr auf der deutlich sichereren Seite. Dennoch besteht immer noch ein Restrisiko und selbst wenn ihr alle diese Tipps befolgt, ist Sexting noch nicht zu 100 % sicher. Macht euch das bewusst, bevor ihr Sexting betreibt.
Was tun, wenn intime Bilder verbreitet oder zur Erpressung genutzt werden?
Wenn es bereits zu Sextortion gekommen ist, gilt vor allem eins: nicht allein bleiben und nicht nachgeben.
Diese Schritte sind wichtig:
- Nicht auf Forderungen eingehen
Erpressungen enden selten nach einer Zahlung oder nach dem Senden weiterer Bilder. - Kontakt blockieren und melden
Direkt auf der Plattform oder beim jeweiligen Dienst. - Beweise sichern
Screenshots von Chats, Profilen, Nutzernamen und Drohungen machen. - Anzeige erstatten
In einer Polizeiwache in deiner Nähe oder online. - Hilfsangebote nutzen
- StopNCII oder Take It Down nutzen, um die Verbreitung einzudämmen
- Google‑Alert und Rückwärtssuche, um Bilder im Netz zu finden
- Unterstützung suchen bei einer Vertrauensperson, Beratungsstellen oder anonymen Seelsorgeangeboten. Hier findet ihr Unterstützung, wenn ihr beim Thema Sexting Hilfe benötigt.
Sextortion unter Jugendlichen ist kein Randphänomen. Offene Gespräche, frühzeitige Aufklärung und verlässliche Anlaufstellen sind entscheidend, um junge Menschen zu schützen. Wichtig ist: Betroffene tragen keine Schuld. Hilfe holen ist ein Zeichen von Stärke.
Tipps für Gespräche mit Jugendlichen über Pornografie gibt es hier.