„White Tiger“ ist das Pseudonym eines zum Tatzeitpunkt 20-jährigen Mannes aus Hamburg. Über 30 Kinder und Jugendliche soll er online mutmaßlich zu sexuellen und selbstverletzenden Handlungen gedrängt haben. Es kam auch zu Aufforderungen zum Selbstmord. In einem Fall soll er den daraus resultierenden Tod eines Kindes live über sein Smartphone verfolgt haben. Ermittlungen legen nahe, dass das kein Einzelfall war: „White Tiger” soll Teil eines globalen agierenden Netzwerkes sein.
Solche Netzwerke nennt man auch „Com-Netzwerke“. Der Begriff kommt vom englischen „community“, also auf Deutsch „Gemeinschaft“. Diese Online-Gemeinschaften nehmen über soziale Netzwerke, Online-Spiele oder Messenger-Dienste Kontakt zu Kindern und Jugendlichen auf. Sie sind dabei nicht nur selbst gewaltverherrlichend, sondern treiben Jugendliche zum Teil auch gezielt dazu an.
Die Täterinnen und Täter gehen gezielt auf Kinder und Jugendliche zu – besonders auf solche, die sich online sensibel oder verletzlich zeigen. Zunächst gewinnen sie das Vertrauen der jungen Menschen, um sie anschließend besser kontrollieren, manipulieren und entwürdigen zu können.
Die Betroffenen werden zu Handlungen gedrängt, die tiefe Spuren hinterlassen können. Diese Handlungen sollen sie oft auch dokumentieren, zum Beispiel in Form von Bildern, Videos und Live-Streams.
Der Gedanke, dass das eigene Kind in solche Strukturen abrutschen könnte, kann sehr beängstigend sein. Glücklicherweise gibt es einige Warnsignale, dass ein Kind gefährdet sein kann.
Dabei gilt: Viele dieser Anzeichen können auch andere Gründe haben – also keine vorschnellen Schlüsse ziehen! Häufen sich aber mehrere Anzeichen, ist das ein guter Anlass, das Gespräch mit dem Kind zu suchen.
Um Kinder online bestmöglich vor solchen Situationen zu schützen, können Eltern vor allem eins tun: Eine gefestigte und enge Beziehung zum Kind pflegen. Wichtig ist dabei, echtes Interesse an dem zu zeigen, was das Kind online tut und Gespräche über Medien in den Alltag zu integrieren. Diese sollten offen und möglichst wenig wertend gestaltet werden. So schaffen Eltern ein Umfeld, in dem auch schambehaftete Themen angesprochen werden können.
Sollte es doch dazu kommen, dass Kinder oder Jugendliche in Kontakt mit solchen Netzwerken gekommen sind, gilt es auch hier, Ruhe zu bewahren. Folgendes können Eltern tun:
Verständnis aufzubringen, kann schwer sein – umso mehr, wenn das Kind selbst Gewalt ausgeübt hat. Doch gerade hier ist Verständnis gebraucht! Die wenigsten Jugendlichen geraten aus böswilliger Absicht in solche Communities. Häufig sind die Gründe komplizierter. Am besten ist es deshalb, die Auswirkungen des Verhaltens des Kindes wertungsfrei, aber direkt anzusprechen. In dem Zuge erfahrt ihr mehr über die Beweggründe eurer Kinder und könnt gezielt Hilfe anbieten.
Elternratschläge sind leicht gegeben – doch Notsituationen können schnell schwierig und überfordernd werden. Gerade die Selbstverletzung, der Missbrauch und die Täterschaft des eigenen Kindes sind Themen, die belasten können. Auch Eltern sollten sich deshalb, wenn nötig, Hilfe suchen. Ihr seid nicht allein ❤️🩹 Schnelle Hilfe bieten beispielsweise das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer (0800 111 0 550) oder die Telefonseelsorge (116 123) – kostenlos und anonym!